Jonathan Nasaw – Der Kuss der Schlange
Autor : Jonathan Nasaw
Titel : Der Kuss der Schlange
Genre : Thriller
Seitenzahl : 442
Sprache : Deutsch
Verlag : Heyne
ISBN-10 : 3453432533
Bewertung : 9/10
Blurb : Was passiert, wenn ein Serienkiller die ideale Partnerin findet? Lily leidet unter einem schweren Kindheitstrauma und flüchtet manchmal in fremde Persönlichkeiten. In einer psychiatrischen Klinik lernt sie den Serienkiller Maxwell kennen, dem nach seiner Heilung der Prozess gemacht werden soll. Dabei droht ihm die Todesstrafe. In Lily findet er eine kongeniale Partnerin. Da beide noch einige Rechnungen offen haben, planen sie die Flucht. Eine beispiellose Mordserie beginnt.
Review : Dieses Buch steht schon seit Eeeeewigkeiten in meinem Bücherregal. Ich hab es mir glaube ich vor zwei Jahren gekauft, weil ich während des Stöberns nach ähnlichen Büchern wie Mark T. Sullivans “Toxic” darauf gestoßen bin, und es sich sehr vielversprechend angehört hat. Da ich sowieso in letzter Zeit einfach nicht zum Lesen komme (geschweige denn zum Rezensieren, wie man an meiner Abwesenheit hier deutlich feststellen kann), habe ich mir allerdings gestern gedacht, ich nehm es einfach als leichte Lektüre mit zu meinen Großeltern, damit ich etwas für Zwischendurch dabei habe.
FALSCH GEDACHT. Kaum einmal angefangen konnte ich es keine Sekunde mehr aus der Hand legen, mit mir war alsoo heute relativ wenig anzufangen. Die 440 Seiten lesen sich durch wie nichts, weil dieses Buch einfach eine Folter für die Nerven ist – natürlich im Guten Sinne. Ich habe wirklich selten einen so spannenden Thriller gelesen, in dem man auch noch zu den Opfern und besonders den Tätern einen so engen Draht bekommt. Immerhin lernen wir von den beiden Flüchlingen nicht nur eine Seite kennen, sondern ihre komplette Persönlichkeit aufgespaltet in verschiedene “Alters“. Diese verschiedenen Seiten der Beiden und ihre Art, mit der ganzen Situation umzugehen finde ich ziemlich gut gemacht, nicht zuletzt wegen der Situationen, die sich der Autor für die Alter-Wechsel ausgesucht hat. Ich habe mich vorher noch nie mit dieser Persönlichkeitsstörung auseinandergesetzt, aber das wird für mich definitiv ein Thema, zu dem ich in Zukunft mehr erfahren will: Wenn auch einfach nur um herauszufinden, in wie weit diese Fiktion mit der Realität übereinstimmt.
Einige Leute könnten vielleicht ein paar Probleme mit dem Aufbau der Geschichte haben, da man sich, jenachdem, aus welcher Sicht man die Geschichte gerade liest (und das wechselt mit jedem neuen Kapitel) nicht sicher ist, welches Alter gerade bei Bewusstsein ist oder ob es die ursprüngliche Persönlichkeit ist, die handelt. Die beiden Hauptcharaktere verstehen es nämlich besonders gut darauf, sich gegenüber anderen Menschen zu verstellen, um diese in manchen Situationen in Sicherheit zu wiegen und dann den Überraschungseffekt für sich zu nutzen. Ich bin allerdings der Meinung, dass gerade diese Schreibweise einen gut merklichen Teil zum Spannungsbogen der Geschichte beiträgt un bin froh, dass der Autor sich dafür entschieden hat.
Das Buch setzt sich durch die Alters auch noch mit einem ganz bestimmten Thema auseinander: Was bedeutet die Schuldfrage in Zusammenhang mit einer Person mit DIS (Dissoziative Identitätsstörung) oder anderen psychischen Einschränkungen. Durch die Beziehung, die man während des Verlaufes mit den Charakteren und ihren Alters aufbaut, verlaufen die Farben, die für uns am Anfang ganz klar festgelegt sind, immer mehr ineinander. Ein Alter-Ego wird als Böse angesehen, eines als Gut doch mit der Zeit verschwimmt alles zu einem seltsamen Grau… eine interessante Auffassung des menschlichen Verhaltens in extremen Stresssituationen. Was ist genau kann man moralisch rechtfertigen? Der einzige Minuspunkt, den ich dem Buch zugestehen würde, ist das Ende… es war zwar überzeugend, aber ich hätte das Buch gerne anders abgeschlossen.

Als ich das Buch dann heute Mittag im Auto zu Ende gelesen habe (ich konnte es nicht abwarten und habe mich mitten auf der Autobahn auf einen Parkplatz gestellt), war ich ziemlich enttäuscht darüber, dass man eigentlich nichts über die Vorgeschichte Maxwells erfährt… Bis ich dann zu Hause angekommen bin und nach gründlicher Nachforschung auf “The Girls He Adored” gestoßen bin – und damit auf ein komplettes Buch zur Vorgeschichte. Definitiv schon auf meinem Wunschzettel für den nächsten Monat, und mal sehen ob ich von der originalen Schreibweise des Autors noch begeisterter bin als von der Übersetzten.








